Katzenmütter sind fürsorglich, aufmerksam und ausgesprochen wehrhaft. Was wir an unseren Versorgungsstandorten beobachten, findet sich in vielen Punkten auch in der wissenschaftlichen Forschung zum Sozial- und Mutterverhalten freilebender Katzen wieder.

Erst geschützte Krabbelgruppe, dann rein in den Sozialverband

Katzenmütter ziehen ihre Kitten zunächst an geschützten, möglichst verborgenen Orten auf. Das schützt den Nachwuchs vor Feinden und anderen Gefahren – bringt für die Mutter aber auch erhebliche Risiken mit sich. Gerade Geburt und frühe Aufzucht sind für freilebende Kätzinnen körperlich belastend und können mit Komplikationen verbunden sein.

Was wir an unseren Versorgungsstandorten beobachten, passt zu diesem Verhalten: Die Kätzinnen verschwinden nach der Geburt nicht einfach von der Futterstelle. Sie kommen weiterhin zuverlässig zum Fressen, versorgen sich dort und kehren anschließend zu ihren Kitten zurück. Erst wenn die Kleinen einige Wochen alt und mobil genug sind, bringt die Mutter sie mit zur Futterstelle. Damit werden die Kitten nach und nach in das soziale Umfeld der Mutter eingeführt – ein Verhalten, das auch in der Forschung zum Sozial- und Mutterverhalten freilebender Katzen beschrieben wird.

Dabei fällt uns immer wieder auf, wie groß der Unterschied zwischen Trächtigkeit und dem später sichtbaren Wurf sein kann. Kätzinnen kommen mit enormen Bauchumfängen an die Futterstelle, was auf große Würfe hindeuten lässt. Wie viele Kitten tatsächlich totgeboren wurden oder in ihren ersten Lebenswochen versterben, bleibt meist unklar. Nach unserer subjektiven Beobachtung überleben von größeren Würfen häufig nur wenige Kitten die ersten Wochen. Wir sehen später nicht selten nur zwei oder drei, nur selten vier oder fünf Kitten an der Futterstelle.

Sie zeigen ihren Kitten, wie das Leben draußen funktioniert

Mit zunehmendem Alter werden die Kitten immer selbstständiger. Sie beobachten ihre Mutter, orientieren sich an ihr und sammeln eigene Erfahrungen. Dazu gehört auch der Umgang mit Beute: Das spielerische Jagen und der Umgang mit Beutetieren entwickeln sich schrittweise und werden durch Beobachtung und eigenes Ausprobieren geprägt.

Die Mutter bietet ihren Kitten dabei wichtige Lernmöglichkeiten. Sie sorgt zunächst für Schutz und Nahrung und ermöglicht ihnen später, sich Schritt für Schritt in ihrer Umgebung zurechtzufinden.

Ein Sozialverband mit starken Bindungen

Freilebende Katzen leben keineswegs grundsätzlich als Einzelgänger. Studien zeigen, dass sich unter geeigneten Bedingungen soziale Gruppen bilden können – häufig mit verwandten Kätzinnen und ihren Nachkommen. Zwischen einzelnen Tieren können stabile soziale Beziehungen entstehen, und auch die gemeinschaftliche Betreuung von Jungtieren ist beschrieben.

Dabei muss nicht jede Katze mit jeder anderen eng verbunden sein. Katzen können bestimmte Sozialpartner bevorzugen, Kontakte flexibel gestalten und anderen Tieren aus dem Weg gehen. Gerade dadurch können auch größere Gruppen erstaunlich stabil funktionieren.

Besonders eindrücklich zeigt sich das in Grobleben, wo sich seit der Einrichtung einer festen Futterstelle ein stabiler Verband aus zuvor kastrierten Tieren entwickelt hat. Gerade die Beziehungen zwischen Mutter und Nachwuchs lassen sich dort über längere Zeit beobachten.

Freilebende Katzen sind mehr als Einzelgänger

Das Bild von der Katze als konsequentem Einzelgänger greift bei freilebenden Katzen zu kurz. Ihr Sozialverhalten ist flexibel und hängt unter anderem von Verwandtschaft, Ressourcen und den individuellen Beziehungen zwischen den Tieren ab.

Gerade Streunerkolonien zeigen deshalb etwas, das man ihnen auf den ersten Blick oft nicht zutraut: Sie können aus eng verbundenen Tieren bestehen, die sich gegenseitig tolerieren, bestimmte Sozialpartner bevorzugen und dennoch weitgehend selbstständig bleiben.

Unsere Aufgabe ist es nicht, diese Strukturen zu verändern. Wir wollen sie verstehen und die Tiere dort unterstützen, wo sie leben – mit Kastration, medizinischer Versorgung, Impfungen und verlässlicher Betreuung an ihren Versorgungsstandorten.

Wissenschaftliche Grundlagen

Das Sozialverhalten freilebender Hauskatzen und die Beziehungen innerhalb von Katzengruppen wurden in zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten untersucht. Besonders relevant für unsere Beobachtungen sind unter anderem die Arbeiten von John Bradshaw zur Sozialität von Katzen sowie Übersichtsarbeiten zum Sozialverhalten freilebender Katzen.

Quellen:

  • Bradshaw, J. W. S. (2016): Sociality in cats: A comparative review. Journal of Veterinary Behavior, 11, 113–124. DOI: 10.1016/j.jveb.2015.09.004.
  • Vitale, K. R. (2022). The Social Lives of Free-Ranging Cats. Animals, 12 (1), 126.
  • Solomon et al. (2025): Influence of Food Distribution and Relatedness on Social Interactions in a Colony of Free-Ranging Domestic Cats. Ethology.

Verantwortungsvoller Tierschutz

Für uns widerspricht es dem verantwortungsvollen Tierschutz, eine bestehende Mutter-Kitten-Bindung ohne zwingenden Grund zu trennen – insbesondere dann, wenn die Mutter anschließend ohne dauerhafte Versorgung auf sich allein gestellt bleibt.

Nachhaltiger Katzenschutz muss deshalb die Mutterkatze und ihre soziale Gruppe mitdenken: Die Kätzin wird kastriert, medizinisch versorgt und erhält gemeinsam mit den anderen Tieren an ihrem Lebensort eine verlässliche Versorgungsstelle. So verhindern wir nicht nur den nächsten Wurf, sondern lassen die Tiere ihre sozialen Beziehungen dort weiterleben, wo sie zu Hause sind.

Mama Sabrina lebt mit ihren Kitten in Grobleben. Ihre Kastration hat die Stadt Tangermünde übernommen.
Sabrina kommt zum ersten Mal nach der Geburt mit ihren Kitten zur kameraüberwachten Futterstelle.
Pünktchen ist ein Wildkatzenmix und sabotierte regelmäßig unsere Fallen. Dann ließ sie sich eines Tages bei einer Familie in Bölsdorf nieder und brachte 5 Kitten zur Welt.
Fünf kleine Pünktchens, die in Schutz und Fürsorge durch den Einsatz engagierter Büger in Bölsdorf heranwachsen durften. Die Kastration von Pünktchen gelang allein durch die geduldige Herstellung von Bindung zum Menschen.
Paula ist vermutlich eine Nachkommin von Sabrina. Sie durfte ihre Kitten bei tierlieben Menschen in Groblebem zur Welt bringen.
Halb Europäisch Kurzhaar, halb Maincoon. Paulas Kitten sind das Produkt eines unkastrierten Freigängers und einer verwilderten Hauskatze. Leider konnten wir den Besitzer des Katers noch nicht ermitteln. Wir bleiben dran.